In einer Turnhalle fliegen Federbälle durchs Netz. Musik läuft. Niemand zählt Punkte. Niemand fragt nach Lebensläufen. Was aussieht wie Freizeitsport, ist für viele hier etwas Grundsätzlicheres.
Der Verein richtet sich an Erwachsene, die mit Armut leben: wohnungslos, langzeitarbeitslos, krank, geflüchtet. Menschen, die in klassischen Sportvereinen kaum vorkommen – weil Geld fehlt, Kraft, oder einfach das Gefühl, dazuzugehören. Hier ist die Teilnahme kostenlos, Beiträge sind flexibel, Pausen erlaubt. Man kann kommen. Oder auch nicht.
Sport ist Mittel, nicht Zweck. Es geht um Bewegung, ja – aber auch um Routine, um Kontakt, um das Wiederlernen von Alltag. Wer hier trainiert, muss nichts beweisen. Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer. Viele bringen körperliche oder seelische Einschränkungen mit. Übungen werden angepasst. Tempo ist verhandelbar.
Für viele ist das der erste Ort seit Langem, an dem sie regelmäßig unter Menschen sind. Aus Fremden wird mit der Zeit eine Gemeinschaft. Man unterstützt sich, hört zu, lobt kleine Fortschritte. Manche kommen fast täglich. Nicht wegen des Trainingsplans, sondern wegen der Struktur.
Armut bedeutet oft Rückzug. Kino, Café, Verein – alles kostet. Irgendwann bleibt man draußen. Und irgendwann fühlt man sich selbst falsch. Solche Orte setzen dem etwas entgegen. Ohne große Worte. Ohne Mitleid.
Neben dem Sport entstehen Gespräche, Hilfen, neue Ideen. Menschen übernehmen Aufgaben, bringen Wünsche ein, organisieren sich. Manche treffen sich inzwischen auch außerhalb – spazieren gehen, zusammen essen, Dinge tun, die allein kaum möglich wären.
Das ist keine Revolution im klassischen Sinn. Aber es ist wirksam.
Wer Menschen aus der Isolation holt, greift tief in gesellschaftliche Verhältnisse ein.
Still. Lakonisch. Und ziemlich politisch.
Hinweis:
Der Text bezieht sich inhaltlich auf einen ausführlichen Artikel aus der taz.
Originaltitel: „Anlaufen gegen die Vereinzelung“
Zu finden hier: https://taz.de/Anlaufen-gegen-die-Vereinzelung/!6134609&s=Armut/
Lesenswert für alle, die verstehen wollen, warum Sport, Armut und Solidarität mehr miteinander zu tun haben, als man denkt.