„Kein Dach über dem Leben“ – dies könnte ein Titel für die bevorstehende Weihnachtszeit sein, in der wir die Geburt eines Kindes in einem Stall in Betlehem feiern. Es ist aber auch die Erfahrung vieler und immer zahlreicher werdender Menschen in unserer Zeit, in unserem Land, in unserer Stadt. Wenn das Dach über dem Leben fehlt, hat das existentielle Bedeutung, damals wie heute. Ohne zu unken, der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum wird eine der großen sozialen Fragen in den nächsten Jahren werden.
STiDU verfügt nur über beschränkte Mittel und kann selbst keinen Wohnraum schaffen. Unsere Aufgabe ist, Präsens in der Stadtgesellschaft, in Politik und Verwaltung zu zeigen, damit die von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen nicht übersehen werden. Das gelingt eigentlich; gleichwohl werden aber gelegentlich „von oben“ Entscheidungen mit einem hehren Ziel getroffenen, deren Kehrseite Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse dieser Menschen haben – Beispiel: Obdachlose Menschen halten sich gern in der Nähe von Bahnhöfen auf, weil sie dort Mitstreiter treffen und sich austauschen können, weil sich hier in Hannover dort Einrichtungen des Hilfesystems finden, weil es unten am Raschplatz witterungsgeschützt ist, weil … weil … weil. Die Aufwertung der bahnhofsnahen Plätze hat im letzten Frühsommer die „Szene“ in Bewegung gebracht, noch weiß niemand so recht, wo die Reise hingeht. Eigentlich sollte das damals alles zeitnah durch Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf dem Platz vor dem Stellwerk, durch den Duschbus, durch ein erweitertes Angebot in der Augustenstraße – Mecki 2.o, durch Schaffung weiterer Akzeptanzflächen usw. sozial abgefedert werden, aber noch ist das alles nicht wirklich in Sichtweite – es bleibt spannend!
Im nächsten Jahr will die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungslosigkeit vorlegen, auch die Stadtverwaltung hat begonnen, ein entsprechendes Papier zu erarbeiten. STiDU ist gespannt, welche Vorschläge hier kommen, STiDU wird diese Diskussion kritisch begleiten. Aber schon jetzt – wenn es nicht gelingt, die große Gruppe der sog. EU-Ausländer wenigstens rudimentär in die Sozialsysteme aufzunehmen und ihnen darüber Hilfeleistungen anzubieten, wird es weiterhin viele obdachlose Menschen im Stadtgebiet geben, die sich in ihrer Verzweiflung mit Drogen betäuben und weiter verelenden.
Es ist leider so, wir werden uns auch im nächsten Jahr wieder für diese Menschen engagieren und einsetzen müssen. Aber jetzt wollen wir einen Moment innehalten und uns an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit zum Wohl der von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen in unserer Stadt und Region bedanken.
Wir wünschen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen erfolgreichen Start in das neue Jahr.
