Was Friedhelm Feldkamp sagt …

STIDU unterstützt die Aussagen von Friedhelm Feldkamp auf Facebook und Instagram voll und ganz. Er benennt klar, was in der aktuellen Debatte schiefläuft: pauschale Schuldzuweisungen, fehlende Differenzierung und das Ausblenden sozialer Ursachen. Diese Perspektive ist wichtig – und notwendig.


Die HAZ hat im Artikel: Schlimme Zustände in Hannovers Innenstadt: Warum jetzt auch die Geschäftsleute Alarm schlagen in ihrer Samstagsausgabe (24.1.26) eine sehr einseitige Sicht auf „den Geschäftsbetrieb störende Menschen“ in der City veröffentlicht.

Der Artikel klammert das Hilfesystem vollständig aus und reduziert komplexe soziale Problemlagen auf einzelne Personengruppen. Durch Formulierungen wie „Süchtige, Obdachlose und Trinker“ werden Menschen in sehr unterschiedlichen Problemsituationen pauschal über einen Kamm geschoren.

Die gewählten Aussagen tragen zur Stigmatisierung und Ausgrenzung bei, anstatt differenziert zu informieren. Obdachlosigkeit und Suchterkrankungen sind in der Regel keine freiwilligen Zustände, sondern Ausdruck weitreichender sozialer Notlagen. Entscheidend ist, diesen Menschen Perspektiven zu öffnen – Orte, an denen sie sich sicher aufhalten können.

Alle Menschen haben das Recht, sich in der City aufzuhalten: wohnungslose Menschen ebenso wie andere. Probleme löst man nicht, indem man Menschen „beiseite“ schafft. Nicht Hannover läuft grundsätzlich schief – sichtbar werden vielmehr die Brüche unserer Gesellschaft. Die Risse im Sozialsystem werden größer.

Besonders bedenklich sind Aussagen, die ganze Gruppen ethnisch stigmatisieren, etwa wenn behauptet wird, auf bestimmten Plätzen würden „fast ausschließlich Menschen aus Afrika Drogen verkaufen“.

Viel wichtiger wäre es, Kräfte zu bündeln und gemeinsam gegen strukturelle Not wie Armut, Einsamkeit und prekäre Lebenslagen vorzugehen. Genau hier leistet das Hilfesystem – etwa durch das Diakonische Werk Hannover in Zusammenarbeit mit Stadt und Region – seit Jahren wertvolle Arbeit.

Der Artikel blendet diese Ursachen aus und lässt offen, warum Sozialarbeit, Suchthilfe, Streetwork oder Notunterkünfte nicht einbezogen wurden. So entsteht der Eindruck, Verantwortung werde auf die Betroffenen abgewälzt, statt gesellschaftliche Versäumnisse zu benennen.

Eine ausgewogene Berichterstattung müsste sowohl die Sorgen von Anwohnern und Gewerbetreibenden als auch die Perspektiven der Betroffenen berücksichtigen.

Notwendig sind langfristige Lösungen: mehr Hilfsangebote, Prävention, bezahlbarer Wohnraum und niedrigschwellige Unterstützung. Pauschale Schuldzuweisungen helfen niemandem.

Die Innenstadt von Hannover ist mehr als ein Ort zum Einkaufen. Sie ist Lebens- und Schutzraum – gerade im Winter – und erinnert täglich daran, dass Bedürftigkeit existiert. Der Umgang mit diesen menschlichen Herausforderungen darf nicht allein aus wirtschaftlicher Sicht erfolgen. Die vielen kompetenten Stimmen aus der Praxis müssen gehört werden.

Friedhelm Feldkamp,
Geschäftsführer und Diakoniepastor
Diakonisches Werk Hannover gGmbH


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