Hitzewellen treffen obdachlose Menschen mit voller Wucht

Wenn die Temperaturen in Hannover auf über 30 Grad steigen, suchen viele Menschen Schutz in ihren Wohnungen, schalten Ventilatoren ein oder verbringen die heißesten Stunden des Tages im Schatten. Für obdachlose Menschen gibt es diese Möglichkeiten oft nicht. Sie sind den Folgen extremer Hitze rund um die Uhr ausgesetzt – ohne Rückzugsort, ohne ausreichende Abkühlung und häufig auch ohne sicheren Zugang zu Trinkwasser.

Hitze ist deshalb weit mehr als eine Frage des Komforts. Für Menschen, die auf der Straße leben, kann sie lebensbedrohlich werden. Erschöpfung, Dehydrierung und Kreislaufzusammenbrüche gehören zum Alltag vieler Betroffener. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen oder psychischen Belastungen sowie Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation Medikamente einnehmen oder von Suchterkrankungen betroffen sind. Gleichzeitig fehlen vielerorts genau die Orte, an denen sie sich wirksam vor der Sonne schützen könnten.

Dabei wird oft übersehen, dass obdachlose Menschen ihre Aufenthaltsorte nicht frei wählen können. Wer sich auf öffentlichen Plätzen ausruhen möchte, wird nicht selten aufgefordert weiterzugehen. Schattenplätze sind rar und müssen im Laufe des Tages immer wieder gewechselt werden. Viele Menschen verbringen Stunden damit, einen Ort zu finden, an dem sie für kurze Zeit zur Ruhe kommen können – ohne vertrieben zu werden.

Hinzu kommt, dass viele Betroffene nur die Kleidung besitzen, die sie am Körper tragen. Lange Hosen, Pullover oder Jacken werden auch an heißen Sommertagen getragen, weil es an Alternativen fehlt oder weil persönliche Gegenstände nicht sicher aufbewahrt werden können. Dadurch steigt die körperliche Belastung zusätzlich.

Gerade in solchen Situationen wird deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Hilfsangebote sind. Streetworkerinnen und Streetworker versorgen obdachlose Menschen mit Trinkwasser, Sonnenschutz und Informationen über kühle Aufenthaltsorte. Vor allem aber nehmen sie sich Zeit für Gespräche, bauen Vertrauen auf und erkennen gesundheitliche Notlagen oft frühzeitig. Diese Arbeit rettet Leben – sie kann jedoch fehlende strukturelle Lösungen nicht ersetzen.

Der bundesweite Hitzeaktionstag macht seit mehreren Jahren auf diese besondere Gefährdung aufmerksam. In Hannover haben die Caritas, das Niedersächsische Gesundheitsministerium und weitere Partner darauf hingewiesen, dass wohnungslose Menschen beim Hitzeschutz stärker berücksichtigt werden müssen. Zu den notwendigen Maßnahmen gehören frei zugängliche Trinkwasserangebote, ausreichend verschattete Aufenthaltsorte sowie niedrigschwellige Rückzugsräume, die während Hitzeperioden geöffnet bleiben. Im Tagestreff der Caritas stehen dafür unter anderem ein geschützter Innenhof und ein Trinkwasserbrunnen zur Verfügung.

Aus Sicht der Wohnungslosenhilfe ist klar: Hitzeschutz ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Frage der Menschenwürde und der gesundheitlichen Vorsorge. Niemand sollte gezwungen sein, stundenlang in der prallen Sonne auszuharren, weil es keinen sicheren Ort zum Ausruhen gibt. Angesichts zunehmender Hitzewellen infolge des Klimawandels braucht es dauerhaft mehr kühle Aufenthaltsräume, mehr Schatten im öffentlichen Raum und eine Stadtplanung, die auch die Bedürfnisse obdachloser Menschen berücksichtigt.

Denn das eigentliche Problem ist nicht die Hitze allein. Das Problem ist, dass Menschen ohne Wohnung ihr nicht entkommen können.

So können wir obdachlose Menschen bei Hitze unterstützen

Auch Passantinnen und Passanten können helfen. Wichtig ist, nicht wegzusehen, sondern Menschen respektvoll anzusprechen und zu fragen, ob sie Wasser, Unterstützung oder medizinische Hilfe benötigen. Eine ungeöffnete Flasche Wasser, Sonnencreme, eine Kopfbedeckung oder ein Hinweis auf einen kühlen Aufenthaltsort können bereits eine große Hilfe sein.

Wirkt eine Person stark erschöpft, verwirrt oder nicht mehr ansprechbar, sollte sofort der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden. Betroffene sollten möglichst in den Schatten gebracht und bis zum Eintreffen der Hilfe nicht allein gelassen werden.

Darüber hinaus können Bürgerinnen und Bürger lokale Tagestreffs, Streetwork-Projekte und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe mit Geld- oder gezielten Sachspenden unterstützen. Welche Dinge aktuell gebraucht werden, sollte vorher direkt bei den Einrichtungen erfragt werden.

Entscheidend ist jedoch, dass die Verantwortung nicht allein bei einzelnen Helfenden liegt. Stadt und Politik müssen ausreichend Trinkwasserstellen, öffentliche Toiletten, Schattenplätze und frei zugängliche, kühle Schutzräume bereitstellen. Obdachlose Menschen brauchen während einer Hitzewelle nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern sichere Aufenthaltsorte und langfristig ein eigenes Zuhause.

Hilfe beginnt mit Aufmerksamkeit, Respekt und der einfachen Frage: „Kann ich etwas für Sie tun?“

Hinweis zur Bildgestaltung: Das zu diesem Beitrag verwendete Bild wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt. Es dient der symbolischen Veranschaulichung des Themas und zeigt keine konkrete reale Situation oder abgebildete Person.