Obdach 2030: Gute Ansätze – jetzt müssen den Worten Taten folgen

Mit dem Projekt „Obdach 2030“ verfolgt die Landeshauptstadt Hannover ein wichtiges Ziel: Wohnungslosigkeit bis zum Jahr 2030 deutlich zu reduzieren beziehungsweise zu überwinden. Dieses Ziel entspricht den Vorgaben der Europäischen Union und der Bundesregierung und verdient unsere volle Unterstützung.

Der bisherige Beteiligungsprozess war beeindruckend: Mehr als 175 Menschen aus über 25 Organisationen haben in 85 Sitzungen und 19 Arbeitsgruppen insgesamt 75 Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Dieses Engagement zeigt, wie groß die Bereitschaft in Hannover ist, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Doch nach vielen Workshops, Arbeitsgruppen und Konzepten beginnt jetzt der entscheidende Teil: die Umsetzung.

Nach Angaben der Stadt wurden bisher 26 Maßnahmen umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. Gleichzeitig müssen 46 weitere Maßnahmen erst noch konkretisiert, finanziert und organisatorisch vorbereitet werden. Das macht deutlich, dass der eigentliche Kraftakt noch bevorsteht.

Beteiligung darf kein Selbstzweck sein

Als STIDU begrüßen wir ausdrücklich, dass obdach- und wohnungslose Menschen stärker in den Prozess einbezogen werden sollen. Menschen, die selbst auf der Straße gelebt haben oder aktuell ohne Wohnung sind, kennen die Probleme besser als jede Statistik. Ihre Erfahrungen müssen dauerhaft in politische Entscheidungen einfließen – nicht nur im Rahmen einzelner Workshops oder Fokusgruppen.

Ebenso wichtig ist, dass die zahlreichen Organisationen, die täglich praktische Hilfe leisten, auf Augenhöhe in den weiteren Prozess eingebunden bleiben. Die Expertise der Straßensozialarbeit und der ehrenamtlichen Initiativen ist unverzichtbar.

Politischer Wille braucht politische Entscheidungen

Aus unserer Sicht wird sich der Erfolg von Obdach 2030 nicht an der Zahl der Sitzungen oder Maßnahmenkataloge messen lassen, sondern daran, ob sich die Lebensrealität obdachloser Menschen tatsächlich verbessert.

Dafür braucht es politische Entscheidungen, die auch finanzielle Konsequenzen haben. Mehr bezahlbarer Wohnraum, ausreichend Notunterkünfte, niedrigschwellige Hilfsangebote sowie eine bessere Verzahnung von Sozial-, Gesundheits- und Suchthilfe entstehen nicht allein durch gute Konzepte. Sie benötigen ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sowie den politischen Mut, Prioritäten zu setzen.

Unser Beitrag

STIDU wird den Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und seine Erfahrungen aus der täglichen Arbeit mit obdach- und wohnungslosen Menschen einbringen. Gleichzeitig werden wir auch künftig den Finger in die Wunde legen, wenn Fortschritte zu langsam erfolgen oder wichtige Maßnahmen aufgeschoben werden.

Denn eines ist klar: Für Menschen, die heute auf Hannovers Straßen leben, zählt nicht das Jahr 2030. Sie brauchen Unterstützung, Schutz und Perspektiven jetzt.

Wir wünschen uns, dass Obdach 2030 nicht als weiteres Strategiepapier in Erinnerung bleibt, sondern als der Zeitpunkt, an dem Hannover den politischen Willen gezeigt hat, Wohnungslosigkeit konsequent und nachhaltig zu bekämpfen.