Straßensozialarbeit kommt in die Stadtteile

Obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen erhalten in Hannover künftig auch außerhalb der Innenstadt leichter Unterstützung. Seit Juli 2026 verstärken vier neue Mitarbeitende die städtische Straßensozialarbeit. Sie sind in den Stadtbezirken Nord, Linden-Limmer, Südstadt-Bult sowie Ahlem-Badenstedt-Davenstedt tätig.

Damit wächst das bisher sechsköpfige Team auf zehn Mitarbeitende. Perspektivisch soll für jeden der 13 Stadtbezirke eine feste Ansprechperson zur Verfügung stehen. Der weitere Ausbau steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen politischen Beschlüsse.

Hilfe dort, wo die Menschen sind

Die neuen Mitarbeitenden arbeiten aufsuchend in den Stadtteilen und sind zugleich in die vorhandenen Hilfsstrukturen eingebunden. Dazu gehören unter anderem soziale Träger, Tagestreffs, Stadtteilzentren, Kirchengemeinden und der Sozialpsychiatrische Dienst.

Zu den Aufgaben der Straßensozialarbeit gehören:

  • die Vermittlung in passende Hilfs- und Unterstützungsangebote,
  • die Begleitung zu Behörden, Beratungsstellen und medizinischen Einrichtungen,
  • die Beratung zu Unterbringungs- und Wohnangeboten,
  • die Unterstützung bei Anträgen und der Klärung von Leistungsansprüchen sowie
  • die frühzeitige Hilfe bei drohendem Wohnungsverlust.

Neben der aufsuchenden Arbeit sind die Mitarbeitenden zu festen Sprechzeiten in der Leinstraße 14 erreichbar. Weitere feste Anlaufstellen in den Stadtbezirken befinden sich im Aufbau.

Besondere Bedarfe stärker berücksichtigen

Ein Schwerpunkt bleibt die Unterstützung wohnungsloser Frauen. Ihre Wohnungslosigkeit ist häufig weniger sichtbar, weil sie vorübergehend bei Bekannten unterkommen oder andere unsichere Wohnsituationen eingehen. Dadurch werden sie von bestehenden Hilfsangeboten oft nur schwer erreicht. Gewaltschutz und gewaltgeprägte Lebensumstände spielen bei der Beratung eine besondere Rolle.

Künftig sollen außerdem die spezifischen Lebenslagen wohnungsloser Menschen, die sich als LSBTIQ+ oder FLINTA identifizieren, stärker berücksichtigt werden.

Positives Signal für Hannover

Die Stadt reagiert mit dem Ausbau auf Erkenntnisse aus dem 2024 begonnenen Beteiligungsprozess zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bis 2030 und auf Rückmeldungen aus den Stadtteilen. Denn prekäre Wohn- und Lebensverhältnisse beschränken sich nicht auf die Innenstadt. Unterstützung muss deshalb auch dort erreichbar sein, wo sich die Menschen tatsächlich aufhalten.

StiDU begrüßt den Ausbau

StiDU begrüßt die Ausweitung der Straßensozialarbeit ausdrücklich. Feste Ansprechpersonen in den Stadtteilen können Hilfen leichter zugänglich machen, Probleme frühzeitig erkennen und im besten Fall Wohnungsverluste verhindern.

Entscheidend ist nun, dass die neuen Stellen dauerhaft gesichert und die angekündigten weiteren Schritte tatsächlich umgesetzt werden. Besonders positiv ist der vernetzte Ansatz: Gute Unterstützung entsteht dort, wo städtische Stellen, soziale Träger und bestehende Angebote eng zusammenarbeiten.

Der Ausbau ist deshalb ein wichtiger Schritt für Hannover – hin zu einer Stadt, in der Hilfe nicht erst am Hauptbahnhof beginnt.