Tod eines wohnungslosen Mannes: Prozess nach mutmaßlichem Angriff in Hannover beginnt

Vor dem Landgericht Hannover muss sich seit Freitag ein 29-Jähriger wegen eines Angriffs auf einen wohnungslosen Mann verantworten. Der 38-Jährige starb wenige Tage nach der Tat in einer Klinik. Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger kündigte an, dass eine Erklärung zu einem späteren Verhandlungstermin möglich sei.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft kam es am 25. Mai in der Rundestraße nahe dem Hauptbahnhof zu einem Streit zwischen den beiden Männern. Der Angeklagte soll den 38-Jährigen geschlagen und getreten haben. Ein Tritt gegen den Kopf habe schwere Verletzungen verursacht, an deren Folgen der Mann im Krankenhaus starb. Die Polizei nahm den Beschuldigten kurz nach dem Geschehen fest.

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Nach Angaben des Gerichts wird damit berücksichtigt, dass sich eine Tötungsabsicht bislang nicht für alle vorgeworfenen Handlungen belegen lasse. Im Verlauf der Verhandlung kann sich die rechtliche Bewertung noch ändern. Auch das mögliche Motiv ist bislang offen. Der Angeklagte soll zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen sein.

Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Leben auf der Straße bedeutet oft auch Unsicherheit

Wer ohne eigene Wohnung lebt, ist häufiger auf öffentliche Orte angewiesen – und kann sich dort oft nur schwer vor Übergriffen oder Diebstahl schützen. Mitarbeitende und Ehrenamtliche in der Wohnungslosenhilfe berichten, dass die Sorge vor Gewalt zum Alltag vieler Betroffener gehört.

Das Café Mensch in Hannover bietet wohnungslosen und bedürftigen Menschen warme Mahlzeiten, Getränke und einen Ort zum Ausruhen und Reden. Nach Angaben der Betreiberin geht es in den Gesprächen immer wieder um die Angst vor Übergriffen. Auch Gegenstände wie Äxte oder große Messer, die in der Nähe des Cafés gefunden wurden, geben Anlass zur Sorge. Sie können ein Hinweis darauf sein, wie verletzlich sich Menschen fühlen und wie sehr sie mit möglichen Gefahren rechnen.

Ein geschützter Aufenthaltsort kann diese Unsicherheit nicht beseitigen. Aber er kann Menschen eine Atempause ermöglichen und Raum für Begegnung schaffen. In der kalten Jahreszeit ist das Café Mensch nach den vorliegenden Angaben rund um die Uhr geöffnet.

Kommentar von STiDU

Ein Mensch ist gestorben. Dass er wohnungslos war, darf nicht dazu führen, dass sein Tod als bloße Randnotiz behandelt wird. Die Vorwürfe müssen vor Gericht sorgfältig geprüft werden; über die Schuld entscheidet das Gericht. Zugleich macht der Fall deutlich, wie wichtig Schutz, sichere Rückzugsorte und ein respektvoller Umgang mit Menschen sind, die auf der Straße leben. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, sich mit Waffen vor möglichen Übergriffen schützen zu müssen.